Scheunenviertel in Berlin-Mitte

Einst Lagerkomplex außerhalb der Stadtmauer

Als Scheunenviertel, der östliche Teil der historischen Spandauer Vorstadt, wird das Gebiet zwischen dem Rosa-Luxemburg-Platz und dem Hackeschen Markt im Bezirk Mitte in Berlin bezeichnet. Entstanden ist das Scheunenviertel durch eine Anweisung des Großen Berliner Kurfürsten Friedrich Wilhelm im Jahr 1672. Er ordnete an, daß 27 Scheunen außerhalb entlang der Stadtmauer gebaut werden sollten.

Scheunenviertel Spandauer Vorstadt - Berlin
Sophienkirche im Scheunenviertel

Innerhalb der damaligen Stadtmauer war der Bau von Scheunen aus Brandschutzgründen untersagt worden. Die Scheunen dienten dem Lagern von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, als auch als Wohnort für die Landarbeiter. Die Scheunen wurden im Zuge des Abrisses der einstigen Berliner Stadtmauer mit niedergerissen. Das Gebiet wurde anschließend mit Wohnhäusern bebaut. Der Name "Scheunenviertel" blieb jedoch erhalten. Später, zu Zeiten der Industrialisierung von Berlin im 19. Jahrhundert, wuchs die Bevölkerung des Scheunenviertels sehr stark an.

Wohnort der Jüdischen Gemeinde Berlins

Ab dem 18. Jahrhundert entwickelte sich das Scheunenviertel zu einem jüdisch geprägten Viertel. Zahlreiche, meist streng orthodoxe Juden aus Osteuropa, zog es in das Berliner Scheinenviertel. Eigentlich als Zwischenaufenthalt auf ihrem Weg nach Amerika gedacht, verblieb jedoch eine große Anzahl der jüdischen Neubürger im Scheunenviertel. Mit dem Erwachen des deutschen Nationalsozialismus ab den 1920er und 1930er Jahren, wurde die Entscheidung für fast alle Juden des Scheunenviertels zum tödlichen Verhängnis.

Scheunenviertel-Pogrom

Das Scheunenviertel-Pogrom im Jahr 1923 ging als dunkles Ereignis in die Geschichte Berlins ein. Aufgrund von Arbeitslosigkeit und Hyperinflation zerstörte ein antisemitischer Mob, auf der Suche nach Schuldigen für ihr schlechtes Leben, alles im Scheunenviertel, was irgendwie jüdisch aussah. Die Berliner Polizei schaute dabei größtenteils zu.

Scheunenviertel wird niedergerissen

Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Scheunenviertel komplett umgestaltet, viele der einstigen Scheunengassen wurden beseitigt.

Verunglimpfung durch die Nazis

Die gesamte Spandauer Vorstadt wurde später von den Nazis als Scheunenviertel bezeichnet. Scheunenviertel bedeutet damals soviel wie "sozialer Brennpunkt". In der Spandauer Vorstadt war eine ganz normale jüdische Gemeinde ansässig, die durch die Betitelung als Scheunenviertel verunglimpft werden sollte.

Gentrifizierung im Scheunenviertel

Heute ist das historische Scheunenviertel in Berlin-Mitte durch Gentrifizierung bedroht. Historisch bedeutsame Bausubstanz wird zerstört, um moderne Wohnquartiere für eine zahlungskräftige Klientel zu bauen. Alteingesessene Berliner Bürger werden aus dem Viertel "vertrieben", weil sie die hohen Mieten einfach nicht bezahlen können.