Der Patriarch von Konstantinopel

Nachfolger des Apostel Andreas

Als Demetrios Archondonis wurde Bartholomaios I. am 29. Februar 1940 auf der Insel Imvros in der Ägäis geboren. Nach Studium in München und Rom hat er das traditionsreiche orthodoxe Priesterseminar auf der Insel Chalki bei Istanbul absolviert. Der Lebensweg des Patriarchen soll hier nicht nachgezeichnet werden, dafür gibt es geeignetere Webseiten. Seit dem Jahre 1991 ist er der griechisch-orthodoxe "Ökumenische Patriarch von Konstantinopel". Er ist der 270. Nachfolger des Apostel Andreas, des ersten Bischofs von Konstantinopel.

Kreuz und Bibel

Die Stadt Istanbul war vor der Eroberung durch die Osmanen das unbestrittene Zentrum der christlichen orthodoxen Welt. Der Patriarch von Konstantinopel darf sein Amt ausüben, hat aber praktisch in der Türkei selbst keine Machtbefugnisse mehr. Er ist das "Ehrenoberhaupt" für 300 Millionen Orthodoxe Christen weltweit.




Istanbul - Christen heute eine Minderheit

Nur wenige orthodoxe Christen sind nach dem 1. Weltkrieg in der Türkei heimisch gebliebenen. Etwa 1 Million Christen wurden Anfang der 30er Jahre aus Anatolien nach Griechenland zwangsumgesiedelt.

Heiliger Nikolaus von Myra
Orthodoxe Ikone Hl. Nikolaus

Nur etwa 100.000 Orthodoxe Christen verblieben in Istanbul und auf den vorgelagerten türkischen Inseln. Andauernde Unterdrückungen und Benachteiligungen dezimierten die Zahl dieser Christen weiter. In dieser Zeit wurde Bartholomaios zum Priester geweiht wurde.

Orthodoxes Priesterseminar auf Chalki

Das Priesterseminar auf Chalki wurde 1971 von der türkischen Regierung geschlossen, da alle privaten Hochschulen in der Türkei verboten wurden. Wie die Imame des Islam vom Staat ausgebildet und besoldet werden, müsse auch die christliche Theologie vom Staat kontrolliert werden. Die Orthodoxe Kirche von Konstantinopel nahm dieses Angebot natürlich nicht an, da es die Priesterausbildung nicht dem türkischen Staat und seiner Hochschulbehörde überlassen wollte.




Somit kann seit 1971 in der Türkei keine Priesterausbildung mehr durchgeführt werden. Weder auf Chalki noch sonst wo in der Türkei. Auch heute noch lehnt die türkische Regierung die von der EU geforderte Wiedereröffnung der orthodoxen theologischen Hochschule von Chalki kategorisch ab.

Istanbuls Weltoffenheit - nicht für jeden

Obgleich Istanbul als weltoffen gilt, kommen die Minderheiten kaum zu Geltung. Konkret ist die orthodoxe Gemeinschaft in der Türkei ist heute mit ca. 2.000 Gläubigen sehr klein. Der Patriarch Bartholomaios I. setzt sich darüber hinaus für eine Annäherung zwischen der Orthodoxen- und der Katholischen Kirche ein. Die Kirchen hatten sich ja vor sehr langer Zeit im Streit getrennt. Es entstand danach das "Oströmische Reich" und das "Weströmische Reich".

Mit Papst Benedikt XVI., der ihn im Herbst 2006 besuchte, sorgte der Patriarch für eine Wiederaufnahme der Einigungsgespräche, die jahrzehntelang brach gelegen hatten. Diese tiefsitzende Ablehnung der Orthodoxen Kirche durch den türkischen Staat trübt den positiven Eindruck, den man in Istanbul gewinnen könnte, etwas. Zumal muslimische Bürger in westeuropäischen Staaten die Religionsfreiheit genießen und sogar Moscheen bauen dürfen.

Landkarte Europa - Istanbul Türkei

Patriarch ohne Nachfolger

Seit der Gründung der Republik Türkei vor ca. 80 Jahren muss der christlich-orthodoxe Patriarch ein in der Türkei geborener türkischer Staatsbürger sein; dies war und ist die Bedingung des türkischen Staates für den Verbleib des Patriarchats in Istanbul. Das Patriarchat ist dort seit 1.700 Jahren ansässig! So droht derzeit, dass der griechisch-orthodoxe Klerus in Konstantinopel in absehbarer Zeit nicht mehr existieren wird.

Erstaunlich ist die Gelassenheit des derzeitigen Patriarchen. Er sieht die Orthodoxe Kirche in der Türkei noch nicht am Ende des Weges angekommen. Er glaubt fest an eine Weiterführung der Orthodoxen Geschichte. Türkische Bischöfe gibt es derzeit 14 oder 15 und sie sind alle schon in einem fortgeschrittenen Alter. "Einen jüngeren Menschen zu finden, der türkischer Staatsangehöriger ist, der in der Türkei lebt und Metropolit ist, wird sehr schwierig werden", befürchtet der Patriarch. Wie gesagt, die Hoffnung stirbt zuletzt.


Bildernachweis

Fotolia: 13108358 © A. Kurganov / 2084364 © alma_sacra

Links