Der irische Charakter

Gewachsen an der Geschichte Irlands

Wenn man als Besucher nach Irland kommt, hat man den Eindruck, dass hinter der vordergründigen Heiterkeit der Iren sich im irischen Charakter eine gewisse Melancholie verbirgt. Zahlreiche irische Lieder und Texte haben einen schwermütigen und traurigen Hintergrund.

Klosterruine-Kirche-Irland
Zerstörtes und verfallenes Kloster in Irland

Die Unterdrückung, die Irland über viele Jahrhunderte erlebte, ist der Grund für die tiefsitzende Traurigkeit, die Melancholie. Aus der Unterdrückung der Vergangenheit heraus hat sich der Respekt und der Gehorsam gegenüber höher gestellten Personen erhalten. Oder es resultiert einfach aus der guten Erziehung der irischen Kinder heraus.




Auf der anderen Seite spürt man bei Gesprächen mit Iren deren Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Herzlichkeit aus dem Inneren heraus. Bei einem Pub-Besuch wird der Fremde freundlich und respektvoll angesprochen und nicht ausgegrenzt. Die Freundlichkeit gegenüber Fremden und Bedürftigen ist typisch für den irische Charakter. Der Ire sehr stolz auf sein Land und Traditionen, ohne zu sehr national-patriotisch zu erscheinen. Sich selbst sehen die Irländer als bodenständige Menschen mit einem gesunden Menschenverstand. Der soziale Zusammenhalt in den irischen Familien ist sehr groß.

Kücke - Museumsdorf in Irland
Beispiel - Irische Küche im 19. Jahrhundert

Keltischen Wurzeln

Die mystische Vergangenheit der Kelten und Druiden lebt trotz Christianisierung im bäuerlichen Irland weiter fort. So haben Kobolde und Gnome aus der Schattenwelt ihren festen Platz im altertümlichen irisch-bäuerlichen Alltag. Iren waren schon in keltischer Zeit gute Geschichtenerzähler. Ob die Storyteller immer die Wahrheit erzählt haben oder zu Legendenbildungen beigetragen haben, ist nicht überliefert. Jedenfalls liegt das Erzählen den Iren im Blut.

Katholische Kirche in Irland

Die katholische Kirche hat die irische Bevölkerung über Jahrhunderte hinweg nachhaltig geprägt. Die Kirche hatte und hat immer noch großen Einfluss auf der irischen Insel. In Irlands schweren Zeiten der Armut und Unterdrückung war der katholische Glauben und die Kirche der Mittelpunkt, der einzige Halt, im armen, hoffnungslosen Leben der Iren. Die Besatzung durch die anglikanischen Engländer, besonders zum Cromwell's Zeiten, haben die Bindung zur Kirche noch verstärkt. In letzter Zeit verliert die katholische Kirche in Irland jedoch stark an Ansehen durch das Bekanntwerden der unzähligen Missbrauchsfällen.




Nordirland-Konflikt ist nicht beendet

Nordirland ist ein Sonderfall der irischen Geschichte. Ursprünglich waren die nördlichen Grafschaften rein katholisch geprägt. Erst die Engländer siedelten sehr massiv Andersgläubige dort an und verjagten die ansässigen Bewohner. Die protestantischen Truppen von Wilhelm von Oranien besiegten im Mittelalter, im Jahr 1690 die katholischen Iren am Boyne vernichtend. Das war der letzte erfolgsversprechende Versuch der katholischen Iren, die Briten, die Engländer von der irischen Insel zu verjagen.

Ihre heutige Unabhängigkeit von England bezahlten die Iren, bezahlte Irland mit dem Verlust von Nordirland. Die ganze Geschichte, dazu noch die Unterdrückung der Katholiken in Nordirland, hat jahrzehntelang tiefe Konflikte und zahlreiche Tote gefordert. Die jeweiligen Führer haben das Volk noch zusätzlich gegeneinander aufgewiegelt.

Belfast - IRA - Murals an der Häuserwand
Haus bemalt mit politischen Motiven

Verachtung sitzt noch tief

Die ältere irische Generation der Republik verspürt heute noch eine tiefe Abneigung gegen die Protestanten im Norden. Zuviel ist geschehen. Die jüngere, unbelastete irische Generation ist schon etwas aufgeschlossener gegenüber Nordirland. Seit einigen Jahren, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, herrscht Frieden in Nordirland. Möge es immer so bleiben.

Relief-Landkarte von Irland

Gut ausgebildete Iren

Die junge irische Generation ist mitteleuropäisch geprägt, ohne die irischen Traditionen zu vergessen. Durch ausreichende Ausbildungsmöglichkeiten können Firmen in Irland nun auf gut ausgebildetes irisches Personal zurückgreifen. Dadurch bleiben die jungen Fachkräfte auf der Insel und stärken die Wirtschaft. Durch steigendes wirtschaftliches Wachstum in Irland geht wohl etwas die Eigentümlichkeit der Inselbewohner verloren. Diesen Preis bezahlt Irland gerne. Im Jahre 2006 betrug die Einwohnerzahl Irlands ca. 4,2 Millionen Menschen.

Gastarbeiter in Irland

Durch die Osterweiterung der EU versuchen viele Osteuropäer in den westlichen Staaten, viele davon in England und Irland, eine Anstellung zu finden. Obwohl meist nur ein Hungerlohn bezahlt wird, ist es mehr, als wie in der Heimat zu verdienen wäre. Vor allem aus Polen und den baltischen Staaten, Nigeria, Philippinen und China kommen die Neubürger Irlands.

Irland im Sog der Bankenkrise

Aufgrund der Weltwirtschaftskrise ab 2008 war die Arbeitslosenzahl in Irland stark angestiegen. Zahlreiche Firmen mussen einen Großteil ihrer Mitarbeiter entlassen. Wieder zog es unzählige irische Familien nach Australien, Kanada und Amerika, auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben. In Irland stehen derzeit mehr als 200.000 neue Häuser leer, niemand kann und will darin wohnen. Inzwischen, jetzt im Jahr 2019, hat sich die wirtschaftliche Lage in Irland wieder verbessert. Bleibt zu hoffen, dass Irland in Zukunft von einschneidenden Krisen verschont bleibt.

Irland - der keltische Tiger ist erwacht - lebt er noch?

Erst die Mitgliedschaft in der EU verhalf Irland eine eigene Identität, eigene Stärke zu entwickeln. Die EU unterstütze Irland, um aus eigener Kraft zu wachsen zu können. Endlich eine Schubkraft von außen, die nicht auf die Ausbeutung der Iren und ihres Landes aus ist. Der keltische Tiger ist dadurch erwacht.



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